Oralphobie – Wenn die Angst vorm Zahnarzt unsere Gesundheit gefährdet

Oralphobie – Wenn die Angst vorm Zahnarzt unsere Gesundheit gefährdet

Mit tränenden Augen blinzeln wir verzweifelt ins gelbe Licht und versuchen mit den großen, fremden Händen in unserem Mund den Würgereiz zu unterdrücken. Das lähmende Geräusch des Bohrers und das fiese Schlürfen des Speichelabsaugers dröhnt schon Tage vorher in den Ohren, sodass der Termin beim Zahnarzt oft jahrelang aufgeschoben wird.

Wenn Angst die Vernunft besiegt

Oralphobie, die Angst vor Zahnbehandlungen, oder auch auch Dentalphobie, die Angst vorm Zahnarzt ist eine ernstzunehmendes Problem, das keinesfalls nur bei Kindern auftritt, die sich vor dem Zu-Bett-gehen ihre Zähne nicht geputzt haben. Fast 50 % der Befragten einer Studie zum Thema „Angst vorm Zahnarzt“ gaben an, sich vor großen Eingriffen oder bei jedem Zahnarztbesuch zu fürchten. Ab wann wird die Furcht zur Oralphobie und wie kann man dagegen vorgehen?

„Einfache“ Angst oder Oralphobie?

Niemand geht gerne zum Zahnarzt, das ist klar. Aber nicht jeder, der Angst vor dem Zahnarztbesuch hat, leidet gleich unter einer Oralphobie. Die „einfache“ Angst äußert sich beim Zahnarzt ebenso wie in anderen Situationen auch (wie z.B. in Prüfungssituationen): Unangenehmes Gefühl in der Magengegend, Übelkeit, schwitzige Hände, evtl. Kälteschauer. Das ist unangenehm, keine Frage. Menschen mit Oralphobie müssen allerdings ganz andere Sachen durchmachen. Eine angstbedingte Panikattacke äußert sich durch Symptome wie ein beklemmendes Gefühl in der Brust, Herzrasen, Erbrechen und starkes Zittern.

Woher kommt die Oralphobie nun aber? Mit weit geöffnetem Mund, wohlmöglich noch mit Kiefersperre auf dem erhöhten Stuhl liegend und einen fremden Menschen in seinem Mund herumwerkeln lassen. Für viele Menschen ist das ein Kontrollverlust, mit dem sie nicht umgehen können. Sie sind gefühlt nicht mehr Herr der Lage und können die Situation nicht kontrollieren. Zudem muss man bedenken, das Mund- und Rachenbereich äußerst sensibel und schmerzempfindlich sind.

Bei nur leichter Zahnarztangst können kleine Alltagshelfer wahre Wunder wirken. Welche das sind erfahrt ihr hier.

Was kann man dagegen tun?

Es sollte klar sein, dass nicht zum Zahnarzt gehen keine Lösung für das Problem ist. Viele Zahnärzte bieten inzwischen alternative Behandlungsweisen für Angstpatienten an. Diese reichen von Homöopathie bis hin zur Hypnose. Die beliebteste und effektivste Behandlung für Angstpatienten ist aber die Vollnarkose.

Vollnarkose

Vollnarkose beim Zahnarzt | © panthermedia.net / poznyakov

Vollnarkose beim Zahnarzt | © panthermedia.net / poznyakov

Klingt erstmal radikal? Ist es auch. Vielen Patienten bleibt aber keine andere Möglichkeit. Das betrifft nicht nur Angstpatienten. Auch bei Menschen, die aufgrund einer körperlichen oder geistigen Behinderung nicht in der Lage sind still zu sitzen und sich damit selber in Gefahr bringen, wird häufig eine Vollnarkose angewendet.

Was muss ich beachten, wenn ich mir eine Vollnarkose wünsche? Grundsätzlich sollte vorher abgeklärt sein, ob wirklich eine offizielle Oralphobie vorliegt. Die Vollnarkose ist nämlich nicht ganz billig und die Krankenkasse übernimmt die Kosten nur, wenn ein offizielles psychiatrisches Attest vorliegt. Unter welchen Umständen die Vollnarkose auch von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen wird, erfahrt ihr auf dieser bekannten Fachseite für Zahnmedizin.

Statistik: Haben Sie Angst vor dem Zahnarzt? | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Die Vollnarkose kann bei Oralphobikern auch schon bei kleinen Behandlungen eingesetzt werden, bei normalen oder normal ängstlichen wird die Vollnarkose auf Wunsch oder auf Rat des Arztes bei der sehr schmerzhaften Wurzelspitzenresektion, bei einer Zahnextraktion (also der operativen Entfernung oftmals mehrerer Zähne, wie z.B. die Weisheitszähne) oder bei Vorerkrankungen bzw. Allergien, die den Einsatz einer Lokalanästhesie unmöglich machen, verwendet.

Die Vorteile einer Vollnarkose liegen dabei auf der Hand: Patient und Arzt haben es beide leichter. Der Zahnarzt muss keine Rücksicht nehmen auf die Psyche seines Patienten, wodurch sich die Behandlung in die Länge ziehen würde und der Patient nur noch mehr leiden würde. Der Patient spürt nichts und bekommt nichts von der Behandlung mit. Die Angst vorm Zahnarzt kann dadurch gemindert werden.

Warum regelmäßige Zahnarztbesuche wichtig für unsere Gesundheit sind

Karies | © panthermedia.net / filmfoto

Karies | © panthermedia.net / filmfoto

Regelmäßig schieben wir sie vor uns her: Die Routineuntersuchung beim Zahnarzt. Bei Angstpatienten kann dieses Aufschieben sogar bis zu 10 Jahre dauern. 10 Jahre nicht beim Zahnarzt , 10 Jahre schlechtes Gewissen. Was viele nicht wissen: Geht man nicht regelmäßig zum Zahnarzt, werden eventuelle Kosten, die im Alter für Zahnbehandlungen anfallen, nicht übernommen. Und dann wird es mit Kosten im vierstelligen Bereich erst richtig teuer.

Nicht nur Karies, auch Parodontitis (Zahnfleischerkrankung) können uns das Leben schwer machen und das nicht nur im Bereich des Mundes. Bei Karies, also Löchern in den Zähnen, kommen die Krankheitskeime ins Innere des Zahnes und befallen das Zahnmark. Der Zahn entzündet sich und man bekommt Zahnschmerzen. Lässt man Karies zu lange unbehandelt, geht die Entzündung bis in die Zahnwurzel und später bis in die Knochen. Gesicht und Hals können dabei anschwellen und es bildet sich Eiter. Das kann sehr gefährlich werden.

Eine wichtige Maßnahme neben dem Regelmäßigen Zahnarztbesuch ist das richtige Zähneputzen. „Die meisten Erwachsenen putzen auf Grundschulniveau.“, sagt die Apothekenumschau. Hier erfahrt ihr nicht nur wie ihr richtig Zähne putzt, sondern auch welche Zahnbürste die richtige ist.

Fazit

Endlich angstfrei beim Zahnarzt | © panthermedia.net / pikselstock

Endlich angstfrei beim Zahnarzt | © panthermedia.net / pikselstock

Ständig gefürchtet, ewig gehasst. Als Zahnarzt hat man es schon nicht leicht. Ihnen gebührt einiges an Dank und Aufmerksamkeit dafür, dass sie sich immer neue Methoden einfallen lassen um uns Zahnarztmuffeln und Oralphobikern den Zahnarztbesuch so angenehm wie möglich zu gestalten. Kein guter Zahnarzt verurteilt einen, auch wenn man aufgrund seiner Angst einige Jahre nicht mehr beim Zahnarzt war. Ganz im Gegenteil freuen sie sich, uns helfen zu können. Wer aber dem Zahnarztbesuch gar nichts anderes abgewinnen kann außer blanker Panik, der sollte eine Vollnarkose in Betracht ziehen. Diese wird von einem erfahrenen Anästhesisten durchgeführt, sodass es keinen Grund zur Sorge gibt. Höchstens, dass ihr euch aufgrund eueres strahlenden Lächelns vor Verehrern/-innen nicht mehr retten könnt.


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